Grußwort der Präsidentin der Internationalen Herder-Gesellschaft, Beate Allert:
Besten Dank für Ihr Vertrauen, das Sie durch Ihre IHS-Wahl Ende letzten Jahres zum Ausdruck gebracht haben. Diese Wahl hatte zum Ergebnis, dass ich am 1.1. 2013 für zwei Jahre die Präsidentin der Internationalen Herder Gesellschaft geworden bin. Danke für ermutigende Zuschriften und Glückwünsche und nun weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit! Auch unserem Vizepräsidenten Stefan Greif (U Kassel) alles Gute und wie man hier sagen würde „welcome onboard!“ Es ist meine Absicht und mein Versprechen an Sie alle, mich zu bemühen, die Ziele der Herder-Gesellschaft, wie sie bereits vom Anfang an in Monterey in Kalifornien 1984 von den Gründern der IHS-Gesellschaft definiert wurden, weiterhin zu fördern. Es hat mich gefreut, bereits anregende Informationen zu Aktivitäten der IHS-Mitglieder zu bekommen und ermutigende Post. Bitte lassen Sie mich weiterhin wissen, wenn es Neuigkeiten in Sachen Herder gibt und wie ich aus Ihrer jeweiligen Perspektive am besten dieses Ziel erreichen kann. Es wird, wie folgt, bereits einiges Neue und bereits in die Wege Geleitete zu berichten sein. Kurz vorweg: Die nächste Internationale Herder Konferenz wird von 7-10. September 2014 an Purdue University in West Lafayette, Indiana, stattfinden und ist in Vorbereitung. Hier finden Sie den konzeptionellen Entwurf, der in Korrespondenz mit dem IHS Vorstand erarbeitet wurde. Das offizielle Call for Papers wird zu einem späteren Zeitpunkt in beiden Sprachen, Deutsch und Englisch, allen Mitgliedern der Internationalen Herder Gesellschaft mit der Bitte um Einsendung von Abstracts geschckt werden.
Grußwort des Vizepräsidenten derIHS / IHG, Stefan Greif:
Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Mitglieder der Herder-Gesellschaft, für das mit Ihrer Wahl ausgesprochene Vertrauen bedanke ich mich herzlich und hoffe, die an das Amt des Vizepräsidenten geknüpften Aufgaben zu Ihrer aller Zufriedenheit umsetzen zu können. Wie viele von Ihnen wissen, leite ich seit fast fünf Jahren die an der Universität angesiedelte Georg-Forster-Gesellschaft, was hier zu erwähnen nur deshalb von Bedeutung ist, weil mir seither die Notwendigkeit der Vernetzung kleinerer und größerer literarischer Gesellschaften bewusst geworden ist. Da sich Herder und Forster über viele Jahre hinweg als Brüder im Geiste betrachteten, besteht ja vielleicht auch vonseiten der IHS das Interesse an einer Kooperation beispielsweise in Form einer eigens anberaumten Tagung, um die wechselseitige Rezeption beider Autoren intensiver diskutieren und das Synergiepotential solch einer Zusammenarbeit zu nutzen. Solch ein Workshop außerhalb der in beiden Gesellschaften üblichen Konferenzzyklen könnte Herders und Forsters politischem Selbstverständnis gewidmet sein und sich gleichzeitig an den wissenschaftlichen Nachwuchs wenden. Sollte dieser Gedanke Ihre Zustimmung finden, lassen Sie es mich bitte wissen.
Tagungsbericht Herders Rhetoriken im Kontext des 18. Jahrhunderts
Vom 10.Sept. bis zum 13.Sept. 2012 hat in Schloss Beuggen (Rheinfelden/D) die Tagung Herders Rhetoriken im Kontext des 18. Jahrhunderts stattgefunden. Vier Tage intensiver Debatte haben einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Die Vorträge konnten das Feld des Rhetorischen vermessen und zu sehr interessanten Erkenntnissen verhelfen. Es wurde in vielen Beiträgen deutlich, in welchem Ausmaß Herder rhetorische Strategien einerseits benutzt, während er andererseits auch daran arbeitet, die Rhetorik zu transformieren, ihr einen anderen Platz zuzuweisen. Dietmar Till, Inhaber des Tübinger Rhetorik-Lehrstuhls, zeigte auf, dass dieser Transformationsprozess von Herder sehr präzis als Funktionswechsel der Rede begriffen wurde. Da es keine öffentliche politische Rede gab, solle Rhetorik nicht mehr affektiv überzeugen, sondern als langfristige Änderung der Denkungsart eingesetzt werden. Die antike Normativität der Rhetorik wird in andere Genres übersetzt, zentral ist hier die Predigtrede. Der Hinweis auf die Homiletik wurde in vielen Beiträgen (so auch intensiv in der Keynote von Jens Wolff) und wiederholt in der Debatte herausgestellt. Mit Bezug auf die Debatte um die gnoseologia inferior im 18. Jahrhundert konnte Ulrich Gaier in seinem Vor- trag deutlich machen, dass vor allem bei Christian Wolff die Strukturierung der cognitio viva der rhetorischen Topik folgt, so dass die kopernikanische Wende zur Anthropologie auch als eine solche zur Rhetorik begriffen werden kann. Monika Schmitz-Emans hat sich in einer metaphorologischen Analyse den ›Titelmetaphern‹ Herder gewidmet und die Unhintergeh- barkeit metaphorischer Rede betont, indem sie dabei zugleich den Bezug zur Problematik der Metasprache vorgenommen hat. Dagmar Mirbach, die Herausgeberin und Übersetzerin der Baumgarten’schen Aesthetica, hat von einer ›gnoseologischen Rhetorik‹ gesprochen, indem sie bei Baumgarten die Rhetorik als den Leitfaden der Argumentationsmatrix der Aesthetica herausstellte. David Martyn hat in seiner Keynote die mit Herder entstehende ›Idee der Muttersprache‹ thematisiert: Die ›Muttersprache‹ folgt nicht dem Stilideal der Rhetorik, sie kennt Barbarismen, syntaktische ›Fehler‹, unterschiedliche Register. Hatte die alte Rhetorik die Idee einer Wahl zwischen verschiedenen Formulierungen, so funktioniert die ›Mutter- sprache‹ quasi als ›Natur‹. Aber dennoch, so Martyn, entwickelt Herder eine eigene Rhetorik der ›Muttersprache‹. Peter Oesterreich hat sich dem Versuch gewidmet, einmal nicht die philosophisch anspruchsvollen Passagen der Metakritik zu analysieren, sondern gerade ihre polemische Intensität. Er konnte ein satirisches Katharsisritual skizzieren, mit dem Herder Kant als einen Teil der eigenen intellektuellen Person bekämpft.
Nicht allein die Keynotes haben inspirierende Vorträge bieten können, auch in den Sektionen zeigte sich die Produktivität des Themas. Kaspar Renner konnte sehr differenziert anhand der Handschriftenlage zu Herders Apokalypse-Schriften eine antirhetorische und apokalyptische Hermeneutik plausibel machen. Björn Hambsch, der 2007 seine Doktorarbeit zu Herders Rhetorik vorlegt hat, schöpfte aus dem Fundus dieser Promotionsschrift und hielt einen inspirierenden und vieldiskutierten Vortrag, der noch einmal die ganze Palette der vielfachen Rhetoriken Herders aufdeckte.
Insgesamt war die Tagung sehr fokussiert, die Diskussionen konnten aneinander anknüpfen, die Beiträge waren allesamt auf einem ansprechend, ja eigentlich hervorragenden Niveau. Die mit Herder und mit der Herder-Gesellschaft einhergehende Interdisziplinarität konnte sich hier erneut als ein großer Vorteil zeigen. Der Tagungsort, das wunderbare Schloss Beuggen, mag seinen Teil zur cognitio viva dieser Tage beigetragen haben.
Ralf Simon

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Aus der Forschung:
Lektüreempfehlung:
John W. Zammito, Karl Menges, and Ernest A. Menze: Johann Gottfried Herder revisited. The Revolution in Scholarship in the Last Quarter Century. Journal of the History of Ideas, Vol. 71, No. 4 (October 2010), 661-684.
Mit freundlicher Genehmigung der Autorin steht die Dissertation von Dr. Christa Kaupert, Verstand und Erfahrung in Kants Vernunftkritik und Herders Metakritik (Bonn 2006) zur Ansicht und zum download (PDF, 2,1 MB) bereit.
Die Dissertation von Dr. Jochen Johannsen: Geschichte als Menschheitsbildung: J.G.Herders historische Anthropologie und die ausgeweitete Moderne befindet sich im Social Science Open Access Repository.
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